Immer mehr Anwendungen werden webbasiert konzipiert und virtuell in der Cloud gehostet. Wie wird sich die Anwendungsentwicklung in der Zukunft weiterentwickeln?

Für den geschäftlichen und privaten Anwender ist webbasierte Software ein Segen. Unterwegs, im Büro oder zuhause ruft man einfach seinen Webbrowser auf, loggt sich mit seinen Zugangsdaten ein und hat sofort Zugriff auf seine Daten. Es spielt dabei keine Rolle, ob man ein Windows- , Mac- oder Linux-Nutzer ist, webbasierte Software funktioniert auf jedem System, das über einen Internetzugang verfügt. Theoretisch kann jede Software und jedes Spiel browserbasiert und damit webfähig gemacht werden, viele Apps und Anwendungen werden jedoch für das jeweilige Betriebssystem und die Hardware kompiliert und an die jeweiligen Eingenarten des System redundant angepasst. Webbasierte Apps müssen derzeitig auf unterschiedliche Plattformen mit verschiedenen Programmiersprachen portiert werden.

Was wäre aus Anwendersicht die beste Lösung? Wenn Apps sowohl browserbasiert als auch netzunanbhängig, also als lokale Installation, lauffähig sind. Dieser Ansatz wird von den Betriebssystementwicklern konsequent boykottiert. Schön wäre eine Lösung, die webbasierte Apps in einem abgeschirmten und lokalen Bereich erlauben würden, als Module innerhalb eines Webbrowsers zu laufen. Persönliche Daten sowie zentralisierte Serverdaten würden sich im Hintergrund immer dann synchronisieren, wenn der Anwender gerade Online ist. Trotzdem wäre der Anwender nicht davon abhängig, immer online zu sein und könnte jederzeit seine Dokumente lokal speichern und darauf zugreifen. Der Nachteil für die Betriebssystem-Hersteller: Eine Anwendung, die tadellos unter einem Mac-System läuft, würde genauso auch auf einem Windows-System funktionieren. Aber wie schützt man dann seinen Quellcode, insbesondere vor ungewünschten Kopien und Weitergabe?

Im Prinzip wünscht man sich aus Anwendersicht eine Web-App, die sich per Klick lokal als Web-App installiert wird, danach auch offline funktioniert, jedoch als Programmcode genauso auf jedem Betriebssystem läuft. Die Technologie dafür ist bereits in modernen Browsern wie Chrome vorbereitet, die es Anwendungen erlaubt, lokale Daten und Dateien innerhalb des Webbrowser abzulegen.

Auch das Google-Laptop Chromebook verfolgt diesen Ansatz. Seit 2011 kann der Chromebook-Nutzer seine gesamte Software ausschliesslich über den Browser nutzen. Optimierte Software sieht explizit die Speicherung von Daten auch im Offline-Modus vor. Ein derartiges innovatives Projekt lebt natürlich von der Verfügbarkeit von Anwendungen. Wenn die Anwender webbasierte Apps nicht nutzen, wird der Markt für Web-Apps nur wenig potentielle Kunden erreichen. Nur Firmen, die z.B. aktuelle Preise und Produktdaten für Aussendienstmitarbeiter optimal verfügbar machen möchten, werden in webbasierte Lösungen investieren. Spielehersteller und Office-Produktentwickler werden ihre Software einfach weiterhin jeweils auf die wichtigsten Betriebssysteme portieren und mit ihren eigenen Cloud-Anwendungen (kostenpflichtig) verknüpfen.

Den Ausschlag werden wahrscheinlich Mobilgeräte geben, für die ebenfalls Versionen einer App separat portiert werden müssen. Webbasierte Anwendungen brauchen lediglich auf die unterschiedlichen Bildschirmauflösungen (Responsive Design) optimiert, aber nicht für jedes Betriebssystem neu entwickelt zu werden. Das spart Kosten und verbessert die Nutzbarkeit einer Anwendung aus Sicht des Anwenders. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn Anwendungs-Plattformen wie z.B. Chrome-Apps, die speziell für plattformunabhängige Applikationen gedacht sind, in Zukunft immer häufiger zu finden sind.

Damit sich diese Vision in Kürze verwirklichen kann, ist wohl die Entwicklung von weiteren Frameworks nötig, die die elegante Verwaltung von Cloud-Daten und Dateien erlauben, die lokale Daten und Cloud-Daten harmonisch verbinden, ohne dass Entwickler und Anwender spüren, ob die Anwendung gerade mit dem Internet verbunden ist, oder nicht. Auch die Entwicklung von webbasierten Spielen und Apps wird die Verbreitung von plattformunabhängiger Software beschleunigen. Dazu gehören natürlich auch Verschlüsselung- sowie Datenschutz- und Kopierschutz-Mechanismen für Webanwendungen, damit Entwickler nicht gezwungen sind, eigene Kopierschutz-Mechanismen zu entwickeln, die wiederum die Plattformunabhängigkeit gefährden.

Kunden sollten mit ihren individuellen Zugangsdaten ihre Webanwendungen inklusive Dateien von jedem Gerät nutzen können, egal wo sie sich gerade aufhalten.