Ethereum – mehr als nur eine neue Kryptowährung. Ethereum ist eine programmierbare Blockchain. Interessant ist, dass Firmen wie Microsoft oder Goldman-Sachs die Ethereum-Entwicklung unterstützen… wo geht die Entwicklung gerade hin? Setzt sich der Ansatz auch in Zukunft durch?

Ethereum ist z.Z. eine der interessantesten neuen Entwicklungen, und zugleich auch eine der vielversprechendsten. Es geht um die Revolution der Blockchain, des Internets und vielleicht auch der Gesellschaft insgesamt. Firmen haben Ihren Sitz in keinem Land mehr sondern ganz offiziell innerhalb des Ethereum-Netzwerks. Klingt zu weit hergeholt? Das ist tatsächlich bereits Realität. Verträge und Versicherungen könnten in Zukunft durch die völlige Ehrlichkeit und nahezu Unzerstörbarkeit und Manipulierbarkeit der Blockchain ohne Notar garantiert werden. Startups sind nicht mehr auf den Grossmut mutiger Investoren angewiesen sondern holen sich ihre Gelder direkt aus der Community der Blockchain, die ihrerseits selbst mit kleinen Investitionen an grossartigen Ideen finanziell partizipieren können.

Zunächst ein paar Fakten: Ethereum wurde von Vitalik Buttern im Juli 2015 erstmals vorgestellt, die Idee ist also gerade einmal 12 Monate alt, während Bitcoin bereits im 8 Jahre lang existiert. Heute kostet ein Ether ca. $11,64 oder 10,42 EUR. In US-Dollar verzeichnet die Kryptowährung eine Marktkapitalisierung von etwa 1,4 Milliarden Dollar (coingecko.com). Ethereum ist nach nur 12 Monaten bereits die zweitstärkste Kryptowährung der Welt nach Bitcoin.

Die Besonderheit an Ethereum besteht darin, dass nicht nur eine Währung durch die Blockchain-Technologie dezentral verteilt wird, sondern erstmals auch ausführbarer Code, der nach der Verteilung in der Blockchain nicht mehr verändert werden kann. Genau so ein Code wurde im April des Jahres genutzt, um die virtuelle Firma DAO zu gründen. In weniger als 4 Wochen sammelte DAO ein Kapital von Ether im Wert von umgerechnet 144 Millionen US-Dollar ein, ein bis dahin beispielloses Crowdfunding-Märchen. Am 17. Juli 2015 entdeckte ein unbekannter Teilnehmer des Ethereum-Netzwerks einen Fehler im Vertrag, also im Programmcode des Smart-Contracts, der die DAO ausmacht. Es war möglich, eine Tochtergesellschaft der DAO zu gründen und diese hatte die Macht, einen Teil des Vermögens der Muttergesellschaft auf ihre eigenen Konten zu transferieren – eine aktuelle sehr abenteuerliche und spannende Geschichte. Insgesamt konnte der Abzweigen 3,6 Millionen Ether entwenden. Dabei hat das Ethereum-Protokoll überhaupt nicht versagt, sondern die Verfasser des DAO-Vertrags. Da die Investoren in die DAO aber ebenfalls das Kleingedruckte im Vertrag nicht gelesen haben, wird darüber nachgedacht, die Transaktion der DAO komplett aus der Blockchain zu entfernen und den Investoren das Geld zurückzugeben… eigentlich sollte dies das dezentrale Ethereum-Netzwerk überhaupt nicht zulassen… aber auch diesen Fehler in der Interpretation einer völlig neuen Technologie, wird das Netzwerk überleben und daraus irgendwie gestärkt hervorgehen.

Wie bereits erwähnt ist Ethereum eine programmierbare Blockchain. Ein Smart-Contract kann z.B. von zwei Versicherungspartnern eine gewisse Summe überwiesen bekommen, die vom Smart-Contract erst ausgezahlt wird, wenn ein fest programmiertes Ereignis eintritt. Eine unglaubliche einfache, aber auch dadurch unvorstellbar machtvoll Idee. Die Smart-Contracts können fast nicht manipuliert werden (wie die DAO-Geschichte ausgeht, wird sich noch zeigen) und fungieren dadurch als übergeordnete Überwachungsinstanz. Theoretisch kann der neue Blockchain-Ansatz die Basis für völlig neue Firmenkonstrukte werden.

Wenn das Ethereum-Projekt eine gewisse Experimentalphase hinter sich gelassen hat, und die ersten grossen Versicherungen und Grossbanken Verträge in Form von Smart-Contracts der Blockchain übergeben, sind der Anwendungsmöglichkeiten quasi kaum noch Grenzen gesetzt. Viele Probleme aus dem Bitcoin-Protokoll wurden bei Ethereum bereits korrigiert. Es fehlen nur noch das erfolgreiche Erreichen der nächsten Protokollphasen (Metropolis und Serenity), damit dem Netz auch größere Summen Kapital anvertraut werden können.

Wenn sich der Ansatz durchsetzt, kann das Ethereum-Netzwerk ein Schwamm für eine unfassbare Menge an Kapital werden. Wir sprechen hier nicht mehr von dem Spielprojekt von einigen bleichen Computer-Nerds, die sich mit Bitcoins ein paar illegale Substanzen aus dem Darknet kaufen möchten, sondern um Versicherungen, Grossbanken und Staaten, die ernsthaft darüber nachdenken, Wetten auf Staatsanleihen oder Währungsschwankungen in der Blockchain abzuhandeln… Theoretisch von der Verlagerung ganzer Branchen mit Firmensitz Ethereum-Blockchain. Was eine derartige Entwicklung (bei Erfolg) für den Wert einer einzelnen Ethereum-Einheit bedeutet, kann man sich wahrscheinlich noch nicht ansatzweise ausmahlen. Vielleicht wird das Projekt momentan noch überbewertet. Heute ist der 03. Juli 2016, und man erhält für ca. 11 EUR einen Ether… diesen Wert einfach einmal notieren und im Juli 2017 mit dem Kurs vergleichen. Dann wird man spätestens wissen, ob dieser neue innovative Ansatz einer Blockchain-Technologie auch in Zukunft erfolgreich wird, oder ob es sich nur um einen momentanen Hype handelt, bei dem viele Investoren ihr Kapital verbrannt haben.

Übrigens: wer selber Ether mit seiner eigenen Computerhardware minen möchte, kann z.Z. mit einen 1/75 der Leistung Erfolg haben, die er für das Minen eines Bitcoin-Blocks benötigt. Für einen neuen Ethereum-Block erhält der erste Miner z.Z. ca. 5 Ether auf seiner Wallet gutgeschrieben. Noch existieren keine bekannten Spezial-Chips, die speziell auf das Minen von ethash-Codes ausgelegt sind.

Unabhängig davon ist absehbar: das Internet entwickelt sich immer mehr zu der Art dezentralem Agentensystem, das es eigentlich sein sollte.